Für eine neue Sichtbarkeit der ASP in der Westschweiz

Sandra Feroleto

CC BY-NC-ND

https://doi.org/10.30820/2504-5199-2019-1-13

Nach meiner Ernennung in den ASP-Vorstand im Oktober des letzten Jahres ist es mir eine besondere Freude, heute diese ersten Zeilen an Sie zu richten. Marianne Roth hat bereits eine sehr liebenswürdige Präsentation geschrieben, so dass ich ihrem Porträt meiner Person nichts hinzufügen möchte. Stattdessen möchte ich meine Beweggründe erwähnen, uns in der französischsprachigen Schweiz zu vertreten. Ich habe eingewilligt, als Delegierte für die Westschweiz im ASP-Vorstand zu arbeiten, um Themen zu vertreten, die ich als äusserst brisant und bedeutsam erachte:

Insbesondere das Problem der Delegationstätigkeit, die noch immer nicht durch ein Verschreibungsmodell ersetzt wird. Dies steht im Widerspruch zur Professionalität eines jeden von uns. Und das führt zu kaskadierend schädlichen Auswirkungen, insbesondere für junge PatientInnen, denen regelmässig starke allopathische Medikamente verschrieben werden. Bedauerlicherweise geschieht dies oft anstelle einer echten therapeutischen Unterstützung, die über eine vom Kind manchmal benötigte Zeitspanne eingesetzt werden könnte. Und das liegt daran, dass viele von uns sich weigern, delegiert zu arbeiten. Zu Recht, weil wir keinen Dritten brauchen, der die Verantwortung für unsere therapeutischen Handlungen übernimmt; aber viele PsychiaterInnen sind deshalb überfordert und haben manchmal wenig Zeit für ihre Sprechstunden …

Zu den weiteren wichtigen Motivationsquellen, die mich veranlasst haben, diese Verpflichtung zu akzeptieren, gehört die Frage der Sichtbarkeit der ASP auf französischsprachiger Ebene. Andere Verbände sind gut etabliert, wie wir in der Westschweiz sagen, während die ASP für viele ein weniger sichtbarer, weniger zugänglicher und vor allem deutschsprachiger Verband bleibt. Dies erscheint mir sehr bedauerlich, denn die ASP ist gerade wegen ihrer Geschichte, der bisherigen Aufnahmekriterien und ihrer sehr starken internationalen Verbindungen eine Assoziation, die stets eine hohe Professionalität verfochten hat. Aber sie steht auch für die Vision eines humanistischen Berufes: die Psychotherapie. Sie ist die einzige Schweizer Vereinigung, die sich als Botschafterin für die Psychotherapie als eigenständigen Beruf positioniert. Und mit ihrem Engagement, ihrer Sichtbarkeit trägt sie dazu bei, dass sich die breite Öffentlichkeit in diesem formlosen «Psy»-Mischmasch zurechtfindet, bei denen DurchschnittsbürgerInnen oft nicht mehr durchblicken! Denn ganz klar ist es nicht dasselbe, PatientInnen nur zuzuhören, statt sie mit präzisen, bewährten und dynamischen therapeutischen Werkzeugen liebevoll zu einer Veränderung zu führen. Es ist dieser wunderbare Beruf, den die ASP verteidigt: eine menschliche Betreuung, die auf mehreren akademischen und wissenschaftlichen Ansätzen beruht. Sie kann aus verschiedenen Disziplinen hervorgehen, aus denen wir die therapeutische Geste lernen, und zwar den Anderen auf seinem Werdegang zu begleiten.

Im Zeitalter der Akkreditierung aktueller Bildungseinrichtungen, die grosse Zweifel an der Zukunft der Ausbildungsinstitute aufkommen lässt, steht diese zentrale Frage nach Andersartigkeit, Pluridisziplinarität und Reichtum eines pluralistischen Ansatzes mehr denn je im Mittelpunkt der Debatten und Überlegungen. Können wir den Beruf des Psychotherapeuten und der Psychotherapeutin allmählich auf reine symptomorientierte Hör- und Konditionierungstechniken reduzieren, oder wird unsere Gesellschaft Platz für vertiefte Ansätze beibehalten, die Zeit und Werkzeuge zur Betreuung erfordern? Die Zukunft wird es zeigen, aber die ASP wird da sein, auch in der Westschweiz, um sich für eine offene und integrative Vorgehensweise einzusetzen!

Sandra Feroleto ist Vorstandsmitglied der ASP und verantwortlich für die Westschweiz.

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